Kirchen

„Cuius regio – eius religio“

(auf gut fränkisch: wie der Herr, so sei Gescherr)

Religionszugehörigkeit in Erlach zum 30.06.2016

Im Jahr 2016 leben in unserem Dorf knapp 346 Menschen (Stand Feb. 2016), etwa 2/3 sind Katholiken, 1/3 sind Protestanten. Wie kam es dazu? Urkundlich zum ersten Mal erwähnt wird die dem Hl. Johannes geweihte Pfarrkirche (unsere heutige Simultankirche) im Jahre 1493. Doch schon 1555 führte der damalige Dorfherr Christoph von Seinsheim die Reformation in Erlach ein, 1593 wird die Dorfkirche lutherisch.

Mitte des 17. Jahrhunderts wird erstmals von einem katholischen Betsaal im Schloss berichtet, den Friedrich von Seinsheim zur Verfügung stellte, nachdem er zum katholischen Glauben übergetreten war. Sein damaliger Oberlehensherr, der Markgraf von Brandenburg, verbot jedoch die weitere Benutzung des Schlossbetsaals, so dass die Katholiken vorübergehend eine Kapelle im Schafhof einrichten mussten. Es gab damals nur fünf katholische und zwei gemischtkonfessionelle Familien in Erlach, die von den Pfarrern aus Sulzfeld und Zeubelried, sowie Ochsenfurter Kapuzinern  mitversorgt wurden.

Im Jahr 1663 kam Erlach in den Besitz der katholischen Grafen von Schwarzenberg. Ein katholischer Vogt wohnte im Schloss und ließ im größten und schönsten Raum mit Erker eine Kapelle einrichten. Wegen dauernder Streitigkeiten zwischen katholischen und evangelischen Einwohnern richtete Fürst Ferdinand von Schwarzenberg ein Simultaneum ein, das seither von beiden Konfessionen genutzt werden durfte. In der kleinen Schlosskapelle fanden nur Werktagsgottesdienste und Andachten statt, die Sonntags­gottesdienste, zelebriert von Ordensgeistlichen (Kapuziner, Franziskaner, Jesuiten) in der Simultankirche.

Wie das Schloss katholisch wurde?

Vor 200 Jahren (1814) wurde die Schlosskapelle erstmals als Besitz der kath. Kirchenstiftung erwähnt.  Die gesamte Schlossanlage kam später durch Kauf und Schenkung aus Privatbesitz hinzu. Bis heute ist die katholische Kirchenstiftung Eigentümerin des denkmalgeschützten ehemaligen Wasserschlosses.  Vor 100 Jahren (1913/14) wurde die Kapelle in der jetzigen Form umgebaut; die Erkeröffnung im Chorraum wurde zugemauert. 1958 wurde Erlach wieder zur Pfarrei erhoben. Dazu hatten die Fürsten von Schwarzenberg, die bis vor kurzem noch das Patronatsrecht für unsere Pfarrei hielten, durch eine größere Spende an die Diözese Würzburg beigetragen.
Bis zum wohl vorläufig letzten Erlacher Pfarrer, R. Hörnig, 1980, haben sich laut einer in Kaltensondheim geführten Chronik 96 Priester um die Erlacher bemüht. Die letzte Primiz von dem Benediktinerpater Ingbert Klinger OSB fand 1959 in der Schlosskapelle statt. Dafür erstrahlte die Kapelle nach umfangreichen Malerarbeiten, der Herausnahme der Kanzel und der Stiftung einiger Figuren in neuem Glanz.

Frischer Wind für die Pfarrgemeinde durch das Konzil

Nicht nur äußerlich hat das vor 50 Jahren tagende 2. Vatikanische Konzil einiges verändert, auch das Gemeindeleben wurde durch die aktive Mitarbeit der Laien in Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung aktiviert. 1967 wurden die Kommunionbänke herausgenommen und ein Jahr später ein Volksaltar errichtet. Mit viel Eigenarbeit der Gemeindemitglieder wurde das Schlossdach neu gedeckt, neue Kirchenbänke (1979) beschafft und gegenüber der Sakristei Toiletten eingebaut. 1992 fand die letzte größere Sanierung der Schlosskapelle statt. Im Jahr 2002 wurden wiederum mit viel Eigeninitiative der Pfarrsaal inkl. Kleinküche, sowie Jugendräume im Schloss eingerichtet. Beide Räume werden rege genutzt, z.B. von der Jugend, einer Krabbelgruppe, dem ökumenischen Singkreis, für Sitzungen von Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung, sowie für das pfarreiliche Leben (Osterfrühstück, Helferessen, Pfarrversammlung, Empfang von Wallfahrern, …). Der Schlossgraben wird ebenfalls regelmäßig durch die Erlacher Vereine für Feste und Feiern, sowie für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Schließlich konnte im Jahr 2007 mit Unterstützung der Diözese Würzburg, des Landes für Denkmalschutz und zahlreicher privater Spender der Erker an der Südwestseite des Schlosses saniert werden. 2009 schließlich wurde die Schlosswohnung generalsaniert. Im gleichen Jahr schlossen sich die Pfarreien Frickenhausen, Erlach, Zeubelried und Kaltensondheim zur Pfarreiengemeinschaft Emmaus zusammen, die zurzeit von Pfr. Franz Schmitt betreut wird.

Text: Karl-Heinz Hein-Rothenbücher unter Benutzung vieler Aufzeichnungen von Theo Michel, 03.09.2014

Weitere Informationen zur

Evangelische Gemeinde

Katholischen Pfarrgemeinde